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Genetik


Bei ca. 80% der klinisch diagnostizierten Dravet-Patienten lässt sich mit einem molekulargenetischen Verfahren eine Mutation im SCN1a-Gen (auf dem Chromosom 2) nachweisen. Diese Mutation kann eine Punktmutation sein. Das bedeutet, dass nur eine andere Aminosäure im Gen falsch eingebaut ist und dadurch der zu kodierende Baustein nicht mehr gebildet wird. Eine Mutation kann aber auch das völlige Fehlen des Gens bedeuten. Die Mutation des SCN1a-Gens bedeutet den Verlust eines Eiweißproteins der Untereinheit alpha des spannungsabhängigen Natriumkanals, welches für die normale Funktion des Gehirns nötig ist. Bei Kindern mit Dravet-Syndrom kann das Eiweiß, das dazu beiträgt, dass der Informationsfluss von einer Nervenzelle (Neuron) zu einer anderen funktioniert, nicht oder nur unvollständig produziert werden. Natriumkanäle haben generell eine große Bedeutung für den Erregungszustand der Zellen im Gehirn, der Muskulatur und dem Herzen.


Beim Dravet Syndrom kommt es also wegen der veränderten Funktion des Natriumkanals zu Störungen bei der Übermittlung von Informationen zwischen den Nervenzellen. Soweit bisher bekannt ist, sind die Natriumkanäle in den Muskeln und im Herzen nicht von dieser Mutation betroffen. Weiterhin gibt es keinen Dravet-Patienten, der homozygot (= beide Chromosomen betreffend) für die Deletion ist. Die Deletion liegt immer heterozygot vor. Nur in 10% der Fälle wird eine Vererbung durch ein Elternteil festgestellt. In 90% liegt eine Spontanmutation (= zufällige neue genetische Variante, nicht vererbt) vor. Das Wiederholungsrisiko bei nachgewiesener Spontanmutation ist sehr gering.

Bei weiterem Kinderwunsch sollte eine entsprechende genetische Beratung in einem geeigneten humangenetischen Institut erfolgen.


Neben dem klassischen Dravet-Syndrom gibt es weitere Varianten von Mutationen im SCN1a-Gen. Diese führen vorrangig zu Fieberkrämpfen, aber auch zu anderen Anfallsarten, haben aber eine weitaus bessere Prognose bezüglich Kognition, Therapierbarkeit und Anfallshäufigkeit.